| Verzaubern lassen von märchenhaften Eindrücken – Jaipur, Jodhpur, Agra |
GEFÜHRT Die Indien-Tour 15 Tage – 288 km ![]() Tourbeschreibung » Fotogalerie zur Indien-Tour » |
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| Die wohl ungewöhnlichste Art, Nordindien zu bereisen Von Kirsten Lehmkuhl |
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| Abgase in der Nase, Gehupe in den Ohren, wir sitzen – festgekrallt am grob zusammengeschweißten Gestänge einer Fahrrad-Rikscha – mit eingezogenem Kopf auf dem Hinterbänkchen. Vor uns ein spindeldürrer Chauffeur, neben uns Ochsenkarren, Pkw, Laster, Pritschenwagen, frei laufende Rindviecher. Auf drei Rädern – eins vorn, zwei hinten – bewegt sich unser Gefährt durch den Tumult, aus vier Spuren macht man hier sechs, aus sechs acht und jede Lücke wird genutzt, mit einer Riesen-Portion Unerschrockenheit. Man könnte sie auch Unverfrorenheit nennen. Oder Mut. Oder Nach-mir-die-Sintflut. In Delhi zumindest. Die Rikscha-Tour war wohl zur Einstimmung gedacht, als eine Art Schnupperkurs. Heute sind es noch drei Räder, ab morgen werden es nur noch zwei sein. Denn schon am nächsten Tag werden wir selbst auf den Sätteln sitzen. In Indien! „Wahrscheinlich mit Kuhfänger am Lenker“, hatten Freunde zuvor ungläubig gewitzelt. Das nicht, aber mit ordentlichen Klingeln sind unsere Tourenräder durchaus ausgestattet – für eine 250-Kilometer-Fahrt auf dem Rad über den Subkontinent, der größte Teil im Bundesstaat Rajasthan, im Nordwesten des Landes. Der Rest der Rundtour, die von Delhi über Mandawa, Khimsar, Jodhpur, Pushkar, Jaipur und Agra wieder zurück in die Hauptstadt führt, wird per Bus bewältigt. Der ist, ebenso wie ein Fahrradhänger, ohnehin stets hinter uns. Was ungemein beruhigt, wenigstens am Anfang. Die 15-Millionen-Stadt Delhi lassen wir hinter uns, Richtung Südwesten. In der Abenddämmerung schließlich steigen wir auf die Räder. Wir – das sind 22 Teilnehmer, der jüngste ist Mitte 20, der älteste weit über 70 Jahre alt. Auf asphaltierten Nebenwegen fahren wir durch das Land der Maharadschas. Dreieinhalb Meter sind sie breit, diese kleinen befestigten Straßen mit Sandstreifen an jeder Seite, die die Ortschaften miteinander verbinden. Hier rollt nur wenig Verkehr. Was praktisch ist. Denn in Indien gilt das Recht des Stärkeren. Und das heißt: Lkw vor Pkw. Pkw vor Trecker. Trecker vor Kamelkarren. Karren vor Fahrrad. Fahrrad vor Fußgänger. Und das bedeutet für den Schwächeren: ab in den Staub. Normalerweise. Denn bei uns ist es anders. Den radelnden Europäern, hintereinander gereiht wie eine Ameisenkolonne, wird wie auf ein geheimes Kommando unter großem Hallo und Gewinke Platz gemacht, meistens jedenfalls. Nur selten drängen uns junge Kerle, die mit hohem Tempo herannahen, von der Bahn. So geht es durch karge Landschaften, vorbei an Senf-, Weizen-, Zuckerrohr-, Chili- oder Baumwollfeldern, durch ursprüngliche Dörfer abseits der Touristenströme. Nach Mandawa zum Beispiel, an der alten Seidenstraße in der Halbwüste gelegen, auf dem Weg Richtung Pakistan. Kaum sind die ersten Häuser erreicht, die Teeküchen, Gewürz-läden, Sari- und CD-Geschäfte, und der Friseur, der seinen Kunden direkt am Straßenrand eine Nassrasur verpasst, kaum also haben wir den Ortseingang passiert, da kommen sie gelaufen, aus allen Richtungen, die Kinder, erst drei, dann sieben, dann zwölf, und – zack – sind wir umzingelt. „Da da“ (hallo, hallo) schreien sie, und „Hello, Mam“ und „How are you“ und manchmal auch „Namasté“, diesen wunderschönen indischen Gruß, der so viel bedeutet wie „Ich verneige mich vor dir“. Man sieht in feine, offene Gesichter. Und umgekehrt werden wir beäugt, von oben bis unten, mit unverhohlener, dabei irgendwie unschuldiger Neugier. Mit unseren hautengen Bikerhemden, aerodynamisch geformten Helmen und Radlerhosen mit gepolstertem Hinterteil, die manche von uns tragen, sehen wir wahrscheinlich wirklich aus wie von einem anderen Stern. Aber auch eine Sieben-Gang-Nabenschaltung, ein Mini-Kompass am Lenker und das Halogen-Licht, das noch im Stehen weiterleuchtet, an sich alles nichts Besonderes, hier auf dem Land erregt es Aufmerksamkeit. Dann nähern sich die Männer und – mit größerer Zurückhaltung – schöne, schlanke, stolze Frauen in roten, gelben, grünen, türkisfarbenen Saris, mit goldenem Schmuck in Ohren und Nase und Armen voller glitzernder Reifen. „Namasté“, sage ich leise. Sie lächeln. Ein alter Mann mit Turban und hoch gezwirbeltem Bart verbeugt sich freundlich, als wir das erste mächtige Tor des Anwesens des Maharadschas von Mandawa mit unseren Rädern durchfahren. Die Dunkelheit ist hereingebrochen. Staub, Plastikmüll, die allgegenwärtigen Kuhfladen und Abflussrinnen, die Da-Da-Rufe und das Knattern der Motorräder, all das liegt plötzlich hinter uns. Es ist, als ob wir binnen Sekunden mitten in eine Märchenwelt geraten wären. Noch durch ein zweites Tor hindurch, dann erhebt sich vor uns ein Palast aus dem 18. Jahrhundert, mit Zinnen und Türmen und Fenstern, hinten denen sanftes Licht leuchtet. Maharadscha Thakur Shahab Kesari Singh Ji Mandawa höchstselbst, in langem Hemd mit kleinem Stehkragen, weilt auf der Veranda, nickt den Neuankömmlingen freundlich zu. Er ist einer der 340 „alten“ Fürsten Indiens, einer, der sein Anwesen für Urlauber öffnet. Die Zeiten, als man noch mit Gold, Silber und schimmernder Seide das große Geld verdiente, sie sind augenscheinlich vorbei. Die Räder abgestellt und das verschachtelte Gebäude erkundet, treppauf, trepprunter, und ab in den Garten, der sich wie eine Oase im Herzen der Anlage befindet. Dort ist neben brennenden Fackeln das abendliche Büfett errichtet, unter silbern glänzenden Hauben köcheln Tandoori-Lamm, Hühnchen-Curry und Dhal, der typische Bohneneintopf. Das Mandawa Castle bleibt nicht der einzige Palast, bei dem wir mit unseren Rädern vorfahren. Nach einem Bustransfer gelangen wir zum Fort von Khimsar, Hotel, Befestigungsanlage und Burg in einem. Und was für eine! Im Innenhof, umgeben von meterdicken begehbaren Mauern, flöten Männer Kobras aus ihren Bastkörben, Puppenspieler lassen Marionetten tanzen. Dann strampeln wir weiter, besuchen alte Stämme mit Namen wie Rajputen und Bishnoi, die noch heute in Lehmhütten leben, besuchen eine Dorfschule – 400 Kinder, fünf Lehrer –, sehen bei einer Opium-Zeremonie zu, beobachten, wie aus einem einfachen Stoffstreifen ein Turban gewickelt wird: neun Meter in 20 Sekunden. Wir treten ein in Hindu-Tempel, zum Beispiel in Osian, streifen durch die Welt der Gewürze in Jodphur, der zweitgrößten Stadt Rajasthans, schlendern am heiligen See von Pushkar entlang. In Jaipur lassen wir uns beim Palast der Winde eben jenen um die Nase wehen, in Agra stehen wir ergriffen vor dem Taj Mahal, der wunderbarsten Liebeserklärung der Welt. Wir radeln vorbei an Bäumen, die den Indern heilig sind: an Neem-Baum und Pappelfeige. Ihre Zweige tragen Girlanden und Fähnchen, ihre Äste breiten sich über weiß getünchten Schreinen aus – zu Ehren von einem der mehr als 330 000 indischen Götter … Wind in den Haaren, Sonne auf der Haut und die Fahrradreifen schnurren über die Straße. Wir saugen alles auf, mit allen Sinnen, die Farben, die Gegensätze zwischen Arm und Reich, den Geschmack von Tee mit Kardamom und Koriander, den uns wildfremde Menschen zur Begrüßung reichen. Hoch zu „Ross“ sind wir wie einer von ihnen – ein Rad, das können sich in Rajasthan viele leisten. Sie schenken uns ein Lächeln, wir lächeln zurück. Namasté, sagen sie, ich verneige mich vor dir. Namasté, schönes Indien. Und ich vor dir. ... zurück zur Tourbeschreibung | |||||||||
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