Antwerpen

Antwerpen heute

Die Hauptstadt (ca. 520.000 Einwohner) der gleichnamigen Provinz, ist die größte Stadt Flanderns. Als kleine Siedlung an der Schelde entstanden, gelangte sie im Laufe der Jahrhunderte als Hafenstadt zu Reichtum und Bedeutung. Ihre überregionale wirtschaftliche Stellung erhält die Stadt bis heute durch ihre hochmodernen Hafenanlagen. Der hier bis zu 500 m breite Fluss steht noch unter dem Einfluss der Gezeiten der Nordsee (über 4 m Tidenhub). Antwerpen ist ein wichtiger Industriestandort für weltweit operierende Unternehmen wie Bayer, BASF, Esso oder BP.

Die weltoffene Atmosphäre der blühenden Handelsstadt zieht (seit dem 16. Jh.) bis heute jüdische Kaufleute an, die Antwerpen zu einem weltweit bedeutenden Zentrum für Diamanthandel und -verarbeitung machten. Die jüdische Gemeinde zählt mit mehr als 20.000 Mitgliedern zu den größten in Europa.

Gleichzeitig gehört die flämische Metropole – neben Brüssel, Brügge und Gent – zu den bedeutendsten Kunststädten Belgiens. Der bekannteste „Sohn“ der Stadt ist der Barockkünstler Peter Paul Rubens. Heute macht Antwerpen auch als große Modestadt von sich reden – seit in den 1980er Jahren sechs junge Designer international für Aufsehen sorgten.

 

Antwerpen gestern

Die Stadtgeschichte Antwerpens beginnt mit einer Legende: Ein böser Riese mit Namen Druon Antigon lebte am Scheldeufer und bedrohte die vorbeifahrenden Schiffer. Wer ihm keinen Zoll entrichtete, dessen Hand schlug er ab und warf sie in den Fluss. Ein kleiner römischer Legionär namens Silvio Brabo besiegte den Riesen, schlug diesem die große Hand ab und wurde als Retter von Stadt und Schelde gefeiert. Möglicherweise lässt sich der Name der Stadt nach diesem Ereignis aus den Worten „Hand“ und „werpen“ (= werfen) ableiten (so eine von mehreren Theorien).

Ab dem 9. Jh. ist eine erste fränkische Siedlung am Fluss nachgewiesen, die von Normannen zerstört wurde. Bereits 200 Jahre später bildete Antwerpen das Zentrum einer Markgrafschaft und spezialisierte sich auf den Handel mit Fisch und Salz.

1315 in die Hanse aufgenommen, stand die blühende Handels- und Gewerbestadt aber noch lange im Schatten der mächtigen mittelalterlichen Zentren Brügge und Gent. Mit dem Niedergang Brügges begann Anfang des 16. Jh. der rasante Aufstieg Antwerpens: Nach wenigen Jahrzehnten war es bereits 1565 nach Paris die größte Metropole nördlich der Alpen. 100 Schiffe liefen täglich ein und aus und über 1.000 fremde Handelshäuser aus aller Welt unterhielten hier ihren Sitz. Gehandelt wurden Produkte aller Art bis nach Arabien, Persien und Indien.

Doch gleichzeitig litt die Stadt bereits unter den Auseinandersetzungen zwischen den reformierten Niederländern und den katholischen Spaniern. Im Jahre 1566 plünderten protestantische Bilderstürmer die zahlreichen Kirchen, 20 Jahre später wüteten hier spanische Truppen. Mit der Sperrung der Schelde – der Wasserverbindung zur Nordsee – durch die Protestanten wurde der Lebensnerv getroffen: Die Bevölkerungszahl sank innerhalb weniger Jahre um fast 40%.

Unter der Herrschaft der katholischen Spanier erreichten Kunst und Kultur im 17. Jh. internationale Bedeutung durch Werke der Barockkünstler Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und Jacob Jordaens. Nachdem Napoleon die Scheldesperrung aufhob und den Hafen modernisierte, ging es wirtschaftlich wieder bergauf. Ab Ende des 19. Jh. erlangte Antwerpen als Haupthafen der Kolonialmacht Belgien neue Bedeutung. Damit wurde der Grundstein gelegt für die weitere Entwicklung zum heute hochmodernen Hafen- und Industriestandort.