Backstein

Typisch für die Städte im flämischen Belgien sind die Backsteinhäuser. Luftgetrocknete Ziegel aus Lehm oder Ton gab es im Vorderen Orient bereits im 9.-7. Jahrtausend vor Chr. Gebrannte Ziegel wurden erstmals im 3. Jahrtausend vor Chr. nachgewiesen. Die Römer brachten das Wissen über die Herstellung der Backsteine ins heutige Belgien. Jedoch begann man dort erst ab dem 12. Jahrhundert in großem Umfang Ziegel zu brennen. Die im Rupel-Schelde-Gebiet lebenden Mönche der St. Bernadusabtei waren die Ersten, die den dort vorkommenden Ton abbauten und zu Ziegeln brannten.

Herstellung des Backsteins

Im Herbst stach man den Ton und häufte ihn auf. Anschließend ließ man ihn über den Winter im freien liegen. Dadurch sollten Regen und Frost den Ton auflockern können. Im Frühjahr ließ man den Ton durchfeuchten. Dadurch wurde er fürs Stampfen vorbereitet, welches den Ton geschmeidig machte und wodurch gröbere Steine aus dem Ton gefiltert wurden. Um dem Ton eine praktische Form zu geben, drückte man ihn in Holzformen und glättete die Oberflächen. Anschließend bestreute man ihn mit Sand und legte den Rohling zum Trocknen auf ein Brett. Aus der Form nehmen konnte man die Backsteine jedoch erst, wenn sie sich bei Berührung nicht mehr verformten. Nach einer weiteren Trockenphase ohne Form konnte man die Rohlinge zum Brennen in Ziegelöfen schieben. So konnte man im 12. Jahrhundert bis zu 1500 Backsteine täglich produzieren.

Bedeutung in Flandern

Besonders in Flandern nahm die Bedeutung des Backsteins ab dem 15. Jahrhundert stark zu. Dadurch, dass es keinen natürlichen Stein in der Umgebung gab, ersetzten die  Ziegel den bis dahin vorherrschenden Holzbau. Aufgrund des leichten Herstellungsprozesses und der Verarbeitung war der Backstein sehr kostengünstig. Daher ist das Stadtbild vieler flämischer Städte vom Rot des Backsteins geprägt.