Diamanthandel

Antwerpen gilt als die Hauptstadt des weltweiten Diamanthandels. Heute passieren etwa 84% der Rohdiamanten und 50 % der geschliffenen Diamanten Antwerpen. Jeden Tag werden  Diamanten im Wert von 200 Millionen Euro in Antwerpen gehandelt. Mehr als 8.000 Menschen sind in der Diamantenbrache Antwerpens tätig. Neben indischen, libanesischen, russischen und chinesischen Händlern wird der Edelsteinhandel größtenteils noch immer von hassidischen Juden Gemeinden betrieben. Da den Juden im Mittelalter Handwerksberufe verboten waren, spezialisierten sie sich auf den Handel, unter anderem mit Diamanten. So werden auch heute noch etwa 51,9 Milliarden Euro im Judenviertel Antwerpens umgesetzt und Geschäfte mit den Worten „Mazel U’bracha“ (Glück und Segen) besiegelt.

Warum Antwerpen als Diamanthauptstadt

Bereits im 16. Jahrhundert galt Antwerpen als berühmtes Diamantenzentrum. Obwohl der moderne Diamantenschliff in Brügge erfunden und im Kempenland perfektioniert wurde, wurde Antwerpen zum Zentrum des Diamanthandels. Durch die günstige Lage mit einem großen Binnenhafen bot die Stadt perfekte Voraussetzungen für den Handel. Die beeinträchtigte Erreichbarkeit des Hafens in Brügge spielte Antwerpen natürlich in die Karten. Doch die Blüte des Diamanthandels in Antwerpen war nicht von langer Dauer. Nach der Trennung der Südlichen und Nördlichen Niederlanden beherrschten die Diamantenhändler aus Amsterdam und London den Markt. Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte Antwerpen aufgrund guter Handelbeziehungen wieder an die Spitze der Diamantenindustrie zurück.

Diamantenhandel im Stadtbild

In der Hoveniersstraat, in der sich auch die Synagoge befindet, schlägt das Herz des globalen Diamantenhandels. Hinter unauffälligen Ladenfronten verstecken sich in dieser Straße Diamantenhändler, Kutter und Polierer, aber auch koschere Metzger und Bäckereien. Je weniger Sonnenlicht auf die Diamanten fällt, umso besser lassen sich die Qualität und die Reinheit der Steine überprüfen. Etwa 700 Videokameras befinden sich im Diamantenviertel um die Sicherheit zu gewährleisten. Mehrere Poller sperren die Zufahrt für Autos seit einem Anschlag 1981. Seither müssen diese für jeden Diamantentransport runtergefahren werden.

Diamanthandel mit Zukunft

Gab es in den 70er Jahren noch etwa 40.000 Diamantschleifer in Antwerpen, so sind es heut nur noch etwa 800. Viele Produktionsschritte wandern nach Indien oder China. Nichtsdestotrotz war der Diamanthandel für Antwerpen in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Auch in Krisenzeiten wird Geld für diamanten investiert. Dann aber vornehmlich in Steine höchster Qualität. Das erhöht den Nachfrage und den Preis für Edelsteine aus Antwerpen.