Genter Altar

Der Genter Altar gehört sicher zu den größten Meisterwerken Jan van Eycks. Obwohl er bereits im Jahr 1432 vollendet wurde, wirft er heute noch Fragen auf. Gemeinsam mit seinem Bruder Hubert erschuf Van Eyck ihn im Auftrag des reichen Genter Bürger Jodocus Vijd. Bewundern kann man den Altar heute in der St.-Bravo-Kathedrale in Gent.

Aufbau des Genter Altars

Bei dem Genter Altar handelt es sich um ein Triptychon oder auch einen (Drei)Flügelaltar. Insgesamt besteht der Altar aus zwölf Tafeln. In geschlossenem Zustand kann der Betrachter zwölf Bilder betrachten (Rückseite der Flügel). Auf bei geöffnetem Retabel blickt man auf zwölf Bildtafeln. Sowohl in geschlossenem, als auch in geöffnetem Zustand ist der Altar in zwei horizontale Register geteilt.

Das geschlossene Retabel

Früher würden die Flügel des Genter Altars nur an hohen Feiertagen geöffnet. Daher konnte man meistens nur die Darstellungen der Außenseite betrachten. Auf den unteren vier Tafeln sind die Stifter Jodocus Vyd (links außen) und seine Gattin Elisabeth Borluut (außen rechts) abgebildet. Zwischen ihnen findet man die beiden biblischen Heiligen Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten. Die beiden Heiligen werden als Statuen abgebildet. Auf den mittleren vier Tafeln der Alltagsseite wird die Verkündigung der frohen Botschaft durch den Erzengel Gabriel and Maria dargestellt. Die vier Bildtafeln fügen sich zu einer einheitlichen Szene zusammen. In den sogenannten Lünetten (über den mittleren vier Tafeln) werden vier abgesonderte Personen dargestellt. Dabei handelt es sich um den Prophet Zacharias (links), den Prophet Michäa (rechts)  und die Sibyllen von Eritrea (Mitte links) und Cumae (Mitte rechts).

Das geöffnete Retabel

Die Farben des geöffneten Retabels, welches ursprünglich nur an Festtagen zu sehen war, sind deutlich leuchtender und kräftiger. Aufgrund ihrer Größe und den kräftigen Farben ziehen die drei Sitzfiguren im Zentrum des oberen Registers die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Flankiert von Maria in blau und Johannes dem Täufer in grün, thront in der Mitte die Gottesgestalt in rotem Gewand mit goldener päpstlicher Krone.

Im Gegensatz zum oberen Register finden sich im unteren Register keine großformatigen Einzelfiguren, wie es für eine Retabel üblich ist, sondern ganze Gruppen von Menschen gemalt in einer Landschaft in einem deutlich kleinerem Maßstab. Das zentrale Thema des unteren Registers ist die Anbetung des mystischen Lamms.

Die bewegte Geschichte des Altars

Obwohl der Altar so gut erhalten ist, blickt er auf eine sehr bewegte Geschichte zurück. Während der Glaubenskonflikte zwischen Katholiken und Protestanten musste der Altar mehrmals vor Bilderstürmen gerettet werden. Doch vor allem nach der französischen Revolution begann das Ringen um den Altar. Während der französischen Besetzung Flanderns kamen die vier Mitteltafeln des Altars nach Paris. Dort blieben sie bis zur Niederlage Napoleon 1815. Im Anschluss wurde der Altar mehrmals in seiner Gesamtheit oder einzelne Tafeln verkauft. Erst im Jahr 1918 wurde der komplette Altar wieder in Gent vereint. Aufgrund des Versailler Vertrags waren die Deutschen zur Rückgabe der Tafeln aus Berlin verpflichtet. Doch die Einheit der Tafel war nicht von langer Dauer. In der Nacht vom 10. auf den 11. April 1934 wurde die Tafel, welche auf der Vorderseite die Gerechten Richter und auf der Rückseite Johannes den Täufer zeigt, gestohlen. Obwohl die Rückseite mit Johannes dem Täufer wieder auftauchte, bleibt die Seite mit den Gerechten Richtern bis heute verschollen.

Beinahe Vernichtung des Altars

Im zweiten Weltkrieg fiel der Altar erneut den Deutschen in die Hände. Mit 7.000 weiteren Kunstwerken lagerte man den Altar in einer österreichichen Salzmine ein. Nachdem alle Hoffnungen auf einen deutschen Sieg aufgegeben waren, wollte man die komplette Mine in die Luft sprengen um sie nicht an den Fein zu verlieren. Glücklicherweise konnte dies verhindert werden. Und so gelangte der Altar zurück nach Gent. Dort wird er seit 1989 steht der Genterl Altar in der St.-Bavo-Kathedrale.