Mechelen

Mechelen heute

Mechelen (86.000 Einwohner) erstreckt sich beschaulich entlang des Flüsschens Dijle, das noch von Ebbe und Flut beeinflusst ist.

Heute lebt Mechelen von teils traditionell angesiedelten Industrien, die sich zum größten Teil am Stadtrand niedergelassen haben: Möbel-, Teppich-, Woll-, Spitzenherstellung, Obst- und Gemüseanbau und Konservenindustrie. Durch ihre günstige Lage zwischen Brüssel und Antwerpen bildet die Stadt einen Eisenbahnknotenpunkt.

Mechelen gestern

Die erste Siedlung entstand bereits in gallisch-römischer Zeit. Seit dem 10. Jh. Teil des Bistums Lüttich, existierte das Städtchen seit 1213 fast unabhängig, bis es 1332 vom Bischof an den Grafen von Flandern verkauft wurde.

Wirtschaftlich günstig an der Dijle gelegen, blühte die Tuchindustrie im 13. u. 14. Jh. auf. Das Mittelalter hindurch war Mechelen als Umschlagplatz für Güter wie Fisch, Salz, Wolle und Hafer bekannt.

In burgundischer Zeit ließ sich Margarete von York, die Witwe des letzten Burgunderherzogs, in Mechelen nieder und der junge Karl V. wuchs hier auf. Ihre Glanzzeit erlebte die Stadt von 1507-1530, als Margarete von Österreich als Statthalterin Kaiser Karls V. in den Niederlanden den Sitz ihrer Hofhaltung nach Mechelen verlegte. Künstler wie Albrecht Dürer und Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und Thomas Morus besuchten den Hof der gebildeten Regentin. Doch unter ihrer Nachfolgerin wurde der Regierungssitz 1531 nach Brüssel verlegt und Mechelen sank wieder in die politische Bedeutungslosigkeit einer Provinzstadt herab.

Infolge der Einrichtung eines Erzbischofsitzes im Jahre 1559 spielte Mechelen in der nachfolgenden Zeit – trotz heftiger Turbulenzen während der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten – eine führende geistliche Rolle als Zentrum der Gegenreformation. Ab dem 17. Jh. trat eine Wirtschaftsbelebung durch die Herstellung von Spitzen, Goldledertapeten und Teppichen ein und die Kupferverarbeitung fasste Fuß.

200 Jahre später gab die industrielle Revolution der Stadt neue Impulse, u. a. durch die Eisenbahnverbindung Brüssel – Mechelen und die Möbelindustrie. Mechelen erlitt in beiden Weltkriegen erhebliche Schäden.

Sehenswertes in Mechelen

Der Marktplatz (Grote Markt) bildet das Zentrum der zum Teil noch mittelalterlich geprägten Altstadt. Das Denkmal (19. Jh.) mit dem Standbild Margarete von Österreichs erinnert an die größte Blütezeit der Stadt. Das Rathaus (Stadhuis) auf der Südostseite besteht aus verschiedenen Teilen: Rechts liegt die alte Tuchhalle (Lakenhal), die 1320-1326 nach dem Vorbild aus Brügge begonnen, nach einem Brand 1342 erneuert und in den nachfolgenden Jahrhunderten vollendet wurde.

Der Belfried kam über sein Grundgeschoss nicht hinaus. Auf der linken Seite befindet sich ein spätgotisches Palais (von Rombout II. Keldermans), geplant als Sitz des großen Rates. Auch dieses wurde nicht gleich, sondern erst (nach alten Plänen) im letzten Jh. fertig gestellt. Der Turm der gotischen Kathedrale St. Romuald (Sint Romboutskathedraal, 13.-16. Jh.) war 167 m hoch als „Wegweiser zum Himmel“ und als „größter Turm der Christenheit“ geplant. Wegen wirtschaftlicher Unruhen musste der Bau der Architektenfamilie Keldermans unterbrochen werden und nur 97 m wurden fertig. Im überwiegend barock ausgestalteten Innenraum der dreischiffigen Kirche befindet sich das Bild „Christus am Kreuz“ des Malers Anthonis van Dyck.

Bekannt sind die beiden Glockenspiele: Die erste Glocke des alten Spiels (insgesamt 49 Glocken) entstand 1480, das neue Spiel (auch 49 Glocken) stammt aus dem 20. Jh. So kann der Turm der Kirche als Belfried der Stadt gelten (s. Belfriede). 1922 erfolgte die Gründung der königlichen Glockenspielerschule und das weltweit erste Ausbildungszentrum dieser Profession. Heute kann man regelmäßig Glockenspielkonzerte in der Kirche genießen. In der Johanneskirche (St. Janskerk) befindet sich das Altarbild „Die Anbetung der Heiligen drei Könige“ von Rubens.

Die königliche Wandteppichmanufaktur ist in den Mauern des ehemaligen Refugiums der Abtei von Tongerlo aus dem 15. Jh. untergebracht. Das kunstvolle Gewerbe wird bis heute fortgeführt: Sowohl historische Teppiche aus aller Welt werden hier restauriert als auch moderne neu hergestellt. Zudem verfügt die Stadt über zwei Beginenhöfe.