Spinalonga

Spinalonga

Die kleine Insel Spinalonga liegt im westlichen Golf von Mirabello, rund fünf Kilometer von Elounda und 15 Kilomater von Agios Nikolaos entfernt. Sie ist rund acht Hektar groß, 440 Meter lang und 250 Meter breit. Nur 160 Meter trennen sie von der gleichnamigen Halbinsel, die über den schmalen Isthmus von Poros bei Elounda mit Kreta verbunden ist. 1954 erhielt die Insel ihren antiken Namen Kalidon zurück, jedoch hält sich die ehemalige venezianische Bezeichnung Spinalonga für die historische Erinnerungsstätte.

Geschichtliche Hintergründe

Im 15 Jh. wurde die Küstenbefestigung von den Venezianern errichtet, um den Hafen von Spinalonga zu schützen. Es handelt sich um einen steilen Festungshügel mit schweren venezianischen Bastionen, der rundum zugemauert ist. Heute ragen ihre massiven Mauern immer noch aus den Felsen hervor.
Als 1669 die Türken in Kreta einfielen, wurde die Insel zunächst von den Venezianern stark verteidigt, bis diese Spinalonga 1714 schließlich doch an die Türken übergaben. Daraufhin ließen sich viele türkische Familien in der ehemaligen venezianischen Siedlung nieder. Im Jahr 1903 jedoch verließen alle die Insel, da die damalige kretische Regierung beschloss, Spinalonga zu einer Sammelstelle für sämtliche Leprakranke Kretas zu machen. Die Leprösen sollten sich in den Hausruinen einrichten und bis zum Ende ihrer Tage dort bleiben.

Die Leprakolonie auf Spinalonga

Auf ganz Kreta wurden die Leprakranken eingetrieben und auf die Insel gebracht. Zunächst waren es etwa 450 Kreter, später sollen es über tausend gewesen sein. Auch vom übrigen Festland kamen die Erkrankten auf die Insel, darunter auch Akademiker. Unter ihrer Führung versuchten die Leprösen die Insel wohnlich zu machen, sofern es ihnen mit der schweren Behinderung möglich war. Sie renovierten die venezianischen und türkischen Häuser, legten Gemüsegärten an und hielten schließlich sogar Schafe, Ziegen und Hühner. Dennoch sah das Leben auf der Insel sehr bescheiden aus. Fließendes Wasser gibt es bis heute nicht und Strom erst nach dem zweiten Weltkrieg. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Ausgesetzten mit einer geringen monatlichen Rente vom Staat. Händler aus dem kleinen Ort Plaka versorgten die Insel mit nötigen Lebensmitteln, allerdings trieben sie die Preise so in die Höhe, dass nur wenig für die medizinische Versorgung übrig blieb.

Die medizinische Versorgung der Leprakranken

Bis in die 1930er Jahre war der Großteil der Inselbewohner erkrankt. Die medizinische Hilfe beschränkte sich auf das Verabreichen von Morphium und die Amputation der betroffenen Gliedmaße. Erst Ende der 1930er Jahre verbesserten sich die medizinischen und menschlichen Verhältnisse. Nach der Errichtung einer Deinfektionsröhre am Hafen und Haupteingang der Insel, durften Besucher zu den Erkrankten. Somit wurde die schreckliche Isolation erstmals durchbrochen. Dennoch blieb das Festland für die Leprösen unerreichbar. Erst 1953 wurden die ersten wirksamen Medikamente entwickelt und eingesetzt. Seitdem entschied die griechische Regierung ein Gesetz, dass Lepra fortan nicht mehr als erblich oder unheilbar anzusehen sei. Die letzten noch lebenden Leprakranken wurden dann 1957 von Spinalonga in die Freiheit entlassen.