Term:Stadtrundgang durch Brügge

Der Grote Markt und seine geschichtliche Bedeutung

Jedem Besucher Brügges sei eine Grachtenrundfahrt mit einem der zahlreichen Ausflugsboote empfohlen. Die Anlegestellen sind über den Stadtkern verteilt.

Der Marktplatz (Grote Markt) bildet den Mittelpunkt der von Kanälen umschlossenen Altstadt und war von jeher das Zentrum des städtischen Lebens. Das Denkmal in der Platzmitte ist Pieter de Coninck und Jan Breydel gewidmet. Unter ihrer Führung ermordeten die Brügger 1302 den franz. Statthalter und zogen in die „Schlacht der goldenen Sporen“. Neben einigen historischen Gebäuden aus dem 16.-18. Jh. (teilweise ehemalige Zunfthäuser) fallen zwei neogotische Bauten auf: die Provinzialverwaltung Westflanderns und die Post.

Die stolzen Brügger und Maximilian von Österreich

Die Cranenburg ging in die Stadtgeschichte ein, als die stolzen Brügger Bürger den mächtigen Habsburger Maximilian von Österreich 1488 hier festsetzten, weil er ihre Rechte beschneiden wollte. Nach 11 Wochen holte man den adligen Gefangenen auf den Marktplatz, wo er inmitten der waffenstarrenden Bürgerschaft auf einem Thronsessel neben Galgen und Schafott Platz nehmen musste. Man zwang ihn, öffentlich zu schwören, die Rechte der Stadt fortan zu achten. Nach dieser demütigenden Freilassung förderte er später als Kaiser vorrangig den Aufstieg Antwerpens.

Der Belfried von Brügge

Die Tuchhalle (Lakenhal, 13. Jh.) mit dem 83 m hohen Belfried ist das auffallendste Gebäude am Marktplatz. Die Halle diente als Zunfthaus, Lager- und Verkaufsraum. Ihr Glockenturm galt als Wahrzeichen der Stadt und symbolisierte städtische Freiheit und Unabhängigkeit. 1240 wurde er aus Holz errichtet, nach einem Brand erhielt er im 14./15. Jahrhundert seine achteckige Form in Stein. Oben im Turm (366 Stufen hoch) befindet sich ein Glockenspiel mit 47 Glocken.

Auf dem Platz der ehemaligen Burg der Grafen von Flandern

Ein weiterer, historisch bedeutender Platz ist der wesentlich kleinere Burgplatz (Burgplein). An dieser Stelle stand die erste Burg der Grafen von Flandern, die im 15. Jahrhundert abgerissen wurde und von der nur der Name erhalten blieb. Die karolingische Domkirche St. Donaas (um 900) fiel 1799 der Zerstörung durch die Franzosen zum Opfer. Ihr Grundriss ist im Pflaster nachgezeichnet. An diesem Platz befinden sich das Rathaus und die Heiligblutbasilika. Das Rathaus (Stadhuis, 1376-1420 erbaut) gilt als das älteste und als eines der schönsten gotischen Rathäuser Belgiens. Die Figuren des Fassadenschmucks stellten Persönlichkeiten des 15. Jahrhundert dar und wurden von franz. Soldaten abgeschlagen. Im letzten Jahrhundert erneuerte man sie. Vom Balkon aus schworen die Grafen von Flandern, die Rechte der Stadt zu achten. Besonders sehenswert ist der Ratssaal von 1402 mit einem hölzernen Spitzbogengewölbe und Wandmalereien aus der Brügger Stadtgeschichte.

Die Heiligblutbasilika (Heiligbloedkapel) wurde für eine Reliquie gebaut, die Dietrich von Elsass, Graf von Flandern, 1150 von einem Kreuzzug ins Heilige Land nach Brügge mitbrachte. Der untere Teil der Wallfahrtskirche (aus romanischer Zeit) beherbergt die Basiliuskapelle. Die Oberkirche (Heiligblutkapelle) wurde 300 Jahre später in Flamboyantgotik umgestaltet und mit einer Frührenaissancefassade versehen. Jedes Jahr zu Himmelfahrt feiern die Brügger ihre historische Heiligblutprozession, bei der der prunkvolle Einzug des Grafen in farbenprächtigen historischen Gewändern nachempfunden wird.

Das Kaufmannsviertel

Nördlich des Marktplatzes führt die Vlamingstraat in das Kaufmannsviertel, das sich bis zum Jan-van-Eyck-Plein und darüber hinaus erstreckt. Kaufleute aus aller Herren Länder errichteten hier ihre Faktoreien: Das Haus der Genueser zum Beispiel stammt von 1339, das Haus der Kaufleute ter Beurze (Nr. 35) aus dem 15. Jahrhundert. Der Name dieser Familie wurde umgewandelt in das Wort „Börse“, das zum Inbegriff geldlicher Handelsgeschäfte wurde. Auf dem Jan-van-Eyck-Plein befindet sich zudem ein Denkmal des Stadtmalers Jan van Eyck, das alte Zollhaus (15. Jahrhundert) und die Poortersloge (heute Stadtarchiv), der Treffpunkt der reichen Grundherren und Kaufleute.

Die Geschichte der Liebfrauenkathedrale

Die Liebfrauenkathedrale (Onze-Lieve-Vrouwe Kerk, 12.-15. Jahrhundert) prägt mit ihrem 122 m hohen Backsteinturm schon von weitem das Stadtbild und besitzt Kunstwerke von Weltrang: Die „Brügger Madonna“ von Michelangelo war Anfang des 16. Jahrhundert das einzige Werk des Künstlers, das zu seinen Lebzeiten (von Brügger Kaufleuten) über die Alpen gebracht wurde. Im Chor der gotischen Hallenkirche befinden sich die mächtigen Grabmäler des letzten Burgunderherzogs, Karls des Kühnen und seiner Tochter Maria von Burgund.

Das Gruuthusepalais an der Rückseite der Kirche, ein ehemaliger Patrizierpalast aus dem 15. Jahrhundert, verfügt im ersten Obergeschoss über einen privaten Zugang zu einer Kapelle der Liebfrauenkathedrale. So konnten die privilegierten Bewohner direkt an den Gottesdiensten teilnehmen, ohne das Haus zu verlassen. Zu Reichtum gelangte die Familie durch das Recht, eine Steuer auf Zutaten zum Bierbrauen (die „Gruute“) zu erheben. Heute befindet sich hier ein Museum für Kunstgewerbe, Spitzen, Teppiche, Münzen, Waffen usw.

Eine Solidargemeinschaft im Beginenhof

Der sehenswerte Beginenhof, der eine klosterähnlich Solidargemeinschaft lediger oder verwitweter Frauen beherbergte, wurde um 1230 von Margarete von Konstantinopel, der damaligen Gräfin von Flandern, gegründet. Die weißen, sich um einen von Pappeln gesäumten Rasenplatz gruppierenden Beginenhäuser stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein kleines Museum am Eingang gibt Einblick in das Alltagsleben der Beginen. Heute leben hier Benediktinerinnen, die die Kleidung ihrer Vorgängerinnen übernommen haben.

Kulturelle Höhepunkte im Minnewater

In der Nähe des Beginenhofs befindet sich inmitten einer Parkanlage das Minnewater, das ehemalige geschäftige Haupthafenbecken aus dem Spätmittelalter. Hier legten die Treckschuten an, die regelmäßig Transporte zwischen Brügge und Gent unterhielten. Unter den Museen steht das Groeninge-Museum (Stedelijk Museum voor schone Kunsten) an erster Stelle: Den Kern der Ausstellung bildet die weltberühmte Gemäldesammlung der frühen niederländischen Malerei (van Eyck, Memling, van der Goes, van der Weyden, Bosch unter anderem). Daneben sind Brügger Stadtansichten und moderne belgische Malereien zu bewundern.

Vom historischer Krankensaal in das Memling-Museum

Im Johannes-Hospital (Sint-Jans-Spital), dem wahrscheinlich ältesten Krankenhaus Europas aus dem 12. Jahrhundert, kann man neben dem großen historischen Krankensaal und der Apotheke aus dem 18. Jahrhundert auch das Memling-Museum besuchen. Der in Deutschland geborene Hans Memling kam nach Brügge, wo er bis zu seinem Tod 1494 als Stadtmaler lebte. Einige seiner berühmtesten Werke sind hier ausgestellt, so der mit Miniaturbildern bemalte Ursulaschrein und das Altarbild „Die mystische Vermählung der Heiligen Katharina“.

Die Ritter des Goldenen Vlieses

Eine weitere große Kirche der Stadt ist die St. Salvatorkirche, die älteste Pfarrkirche Brügges. Seit dem 12. Jahrhundert wurde der Bau in verschiedenen Epochen erweitert und umgestaltet. Im unteren, ältesten Teil des Kirchturms erkennt man Schießscharten – in Kriegszeiten diente er der Verteidigung und dem Schutz der Bürger. Im Chor erinnert das Gestühl aus dem 15. Jahrhundert an die erste Sitzung der „Ritter des Goldenen Vlieses“. Das Kirchenmuseum verfügt unter anderem über Gemälde flämischer Meister.