Stadtrundgang durch Gent

Die Sint Baafskathedraal und ihre Geschichte

Wir beginnen den Stadtrundgang durch Gent an der mächtigen St. Bavo Kathedrale (Sint Baafskathedraal). In der Krypta der heutigen Kirchen existieren noch Reste einer romanischen Kreuzbasilika. Diese war im 13. Jh. Baufällig und wurde nach und nach abgetragen und durch eine neue gotische Kirche ersetzt. Genau wie der Vorgängerbau war sie Johannes dem Täufer gewidmet. 1540 war der Bau abgeschlossen. Zur gleichen Zeit ließ Karl V. die etwas außerhalb gelegene St. Bavo-Abtei als Strafe für einen Aufstand der Genter schleifen und an gleicher Stelle das Spanjaardkastel errichten. Das Kapitel der Abtei musste in die Johanneskirche umziehen, welche daraufhin zur St. Bavo Kirche umbenannt wurde. 1561 wird sie Bischofssitz und damit Kathedrale.

Der Genter Altar

Von dem 80 m hohen Turm (446 Stufen) hat man einen herrlichen Blick über die Stadt. Aus dem Innenraum kann man in die romanische Krypta eines kleinen Vorgängerbaus hinabsteigen, die heute als Ausstellungsraum für den Kirchenschatz genutzt wird. Bilderstürmer zerstörten große Teile des Fassadenschmucks. Der Innenraum ist geprägt von barocken Kunstwerken, u. a. von einer Kanzel aus Marmor und Eiche von L. Delvaux (1745). In einer Seitenkapelle hängt ein Bild von Peter Paul Rubens: „Der Eintritt des Heiligen Bavo in das Kloster“. Hauptanziehungspunkt ist allerdings der weltberühmte Flügelaltar „Die Anbetung des mystischen Lammes Gottes“ (1420-1432) der Gebrüder Hubert und Jan van Eyck, ein aus zahlreichen Tafeln bestehendes Kunstwerk der frühen Ölmalerei, bekannt als „Genter Altar“.

Früher ein Machtsymbol, heute ein wunderschönes Glockenspiel – der Belfried

Auf der anderen Seite des Sint Baafsplein steht der Belfried,  ein Glockenturm aus dem 14. Jh. Mit 95 m überragt er den Turm der Kathedrale und gilt – bekrönt von einem kampfeslustigen und unbesiegbaren Drachen – als Machtsymbol des bürgerlichen Gents. Die berühmteste Glocke war die mächtige „Roeland“-Glocke, deren Klang Feuer und Gefahr ankündigte. Kaiser Karl V. ließ sie zerschlagen, da sie mit ihrem Läuten zu einem Aufstand der Genter gegen ihn aufgerufen hatte. Außerdem regelten die Glockenschläge den mittelalterlichen Tagesablauf. Später wurden viele kleine Glocken gegossen, so dass ein Glockenspiel mit 53 Glocken entstand.

Ein kurzer Stopp an der Lakenhal …

Die Tuchhalle (Lakenhal) am Belfried entstand 1425. Ihr dreischiffig angelegtes, gotisches Erdgeschoss diente als Ausstellungs- und Verkaufsraum für die fertigen Tuche. Oben lag der Sitzungssaal der Tuchmacher. Im 18. Jh. wurde die Tuchhalle als Staatsgefängnis genutzt.

… und dann zum Stadthuis aus Zeiten der Spätgotik und der italienischer Renaissance

Neben der Tuchhalle und dem Belfried liegt das Rathaus (Stadhuis). Es besteht aus einem vierseitigen Komplex aus unterschiedlichen Epochen. Die ältesten Teile sind in der Spätgotik entstanden (Baubeginn 1482), später baute man im 16. und 17. Jh. im Stil der italienischen Renaissance. Weitere An- und Umbauten erfolgten bis ins letzte Jahrhundert hinein. In diesem Gebäude wurde 1576 die folgenreiche „Genter Pazifikation“ unterzeichnet.

Vorbei an der Sint-Niklaaskerk über den Korenmarkt zum alten Hafen

Überquert man den Emile Braunplein kommt man zur Sint-Niklaaskerk. Die aus dem 13. Jh. stammende Kirche gilt mir ihrem Vierungsturm und dem graublauen Kalkstein aus Tournai als Paradebeispiel für die Scheldegotik. Innen befindet sich eine „Kreuzigung Christi“ des Barockmalers Anthonis van Dyck.

Durch die Klein Turkije Gasse kommt man zum Kornmarkt (Korenmarkt). Er bildete seit dem Mittelalter das kommerzielle und wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Der Name stammt vom freitäglichen Kornverkauf. Auf der Rückseite des Kornmarkts liegt – direkt an der Leie – die Graslei, der älteste Hafen von Gent. Benannt ist diese Straße nach den Gewürzen, die hier umgeschlagen wurden. Zu beiden Seiten eines romanischen Getreidespeichers (um 1200 erbaut) erstreckt sich in unterschiedlichen Baustilen eine Reihe prachtvoller Giebelhäuser. Diese unter Ensembleschutz stehenden Bauten aus dem 15. und 17. Jh. zeugen von der Macht der Zünfte. Auch die Kornlei gegenüber auf der anderen Wasserseite verfügt über Stapel- und Gildehäuser aus verschiedenen Epochen. Anlässlich der Genter Weltausstellung 1913 wurden die Bauten der Gras- und Kornlei aufwändig restauriert und rekonstruiert.

Nahe der Graslei wurde von 1406-1410 am Gemüsemarkt (Groentenmarkt) die große Fleischhalle (Vleeshuis) errichtet. In ihrem Zunfthaus (mit Kapelle) hatten die Fleischer genug Raum für die Verarbeitung, Lagerung und den Verkauf von Fleisch. Im später angebauten Kaldaunenhäuschen (Penshuizeken, von 1542) konnten sich die Armen kostenlos Schlachtreste abholen.

Die Grafenburg des Grafen von Flandern

Überquert man die Leie ist schon die von Wasser umgebene Grafenburg (s’Gravensteen) zu sehen. Sie wurde von den Grafen von Flandern um 1200 auf dem Fundament eines Vorgängerbaus errichtet. In der folgenden Zeit bildete sie den Schauplatz der kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Genter Bürgern und ihren Landesherren. Später nutzte man sie als Kerker, als Sitz verschiedener Gerichtshöfe (Foltermuseum) und im 18. Jh. als Baumwollspinnerei. Die mehrfach erweiterte und umgebaute Burg zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Festungen in Europa.

Kehrt man zur Leie zurück und folgt der Kraanlei kommt man in das hübsche Viertel Patershol. Ehemals war es der Bereich der Gerber, später ein Arbeiterviertel. In den kleinen Häusern der mittelalterlichen Gässchen haben sich in den letzten Jahren Kunsthandwerker, Antiquitätenhändler, Boutiquen, Restaurants und Cafés angesiedelt.

Der geschichtsträchtige Vrijdagsmarkt darf nicht fehlen

Der weitläufige Freitagsmarkt (Vrijdagsmarkt) auf dem anderen Leieufer entwickelte sich im Laufe der Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Flandern und den Genter Bürgern zum politischen Zentrum der Stadt. Das Denkmal ist Jacob van Artevelde gewidmet, der als „Hauptmann“ von Gent die Geschicke während des Hundertjährigen Krieges lenkte und bei einem Aufstand ermordet wurde. Er sorgte dafür, dass die Stadt nicht gegen ihren Handelspartner England kämpfen musste. Der mächtige Bau der sozialistischen Arbeiterbewegung (OnsHuis) wurde um 1900 im Jugendstil erbaut.

Durch die Einkaufsstraße Langemunt kommen Sie wieder zurück zum Groentenmarkt.